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Geheime Codes im Arbeitszeugnis?

Dein Arbeitszeugnis sieht auf den ersten Blick eigentlich echt top aus und da steht sogar „zeigte nach Anleitung Fleiß und Ehrgeiz“! Im Klartext heißt das aber, dass du nicht wirklich Gas gegeben hast! Laut dieser Formulierung warst du jedenfalls nicht der „Erfinder der Arbeit“…

Laut dem Bürgerlichen Gesetzbuch dürfen im Arbeitszeugnis keine negativen Bemerkungen über dich vorkommen. Schlechte Bewertungen deiner Leistung sind aber logischerweise erlaubt, müssen aber noch wohlwollend zu lesen sein. So dürfen in der Zeugnissprache keine Formulierungen oder offene Kritik auftauchen, die dich in einen üblen Ruf bringen – versteckte Umschreibungen sind jedoch in Ordnung. Deshalb haben sich quasi Formulierungs-Codes entwickelt. Fast könnte man sagen, dein Arbeitgeber benutzt eine Art Geheimsprache, wenn er dir ein Arbeitszeugnis erstellt. Und diese Zeugnissprache kann man manchmal gar nicht so einfach entschlüsseln oder übersetzen.

Die geheimen Codes entschlüsseln

Im Internet gibt es gute Quellen zum Übersetzen von Formulierungen aus dem Arbeitszeugnis, es gibt sogar Dienste, wo man sein Arbeitszeugnis hochladen und „übersetzen“ lassen kann. Ebenso gibt es Internetseiten, auf denen du genau nachlesen kannst, was denn dein ehemaliger Chef tatsächlich über dich schreibt bzw. wie er dich tatsächlich beurteilt.

1 / Sehr gut:
… hat die ihm oder ihr übertragenen Aufgaben/Arbeiten stets zu unserer vollsten Zufriedenheit erledigt
… waren mit den Leistungen in jeder Hinsicht außerordentlich zufrieden
… erzielte herausragende Arbeitsergebnisse
… zeigte außergewöhnliches Engagement
… war im höchsten Maße zuverlässig
… wurde von Kollegen, Vorgesetzten und Kunden stets als freundlicher und zuverlässiger Mitarbeiter geschätzt

2 / Gut:
… zeigte stets überdurchschnittliche Arbeitsqualität
… zeigte stets Initiative, Fleiß und Ehrgeiz
… Verhältnis zu Vorgesetzten, Mitarbeitern und Kunden war einwandfrei

3 / Befriedigend:
… Arbeitsqualität war überdurchschnittlich
… das Verhalten zu Mitarbeitern und Vorgesetzten war vorbildlich
… zeigte Engagement und Initiative

4 / Ausreichend:
… das Verhalten zu Mitarbeitern war vorbildlich
… das Verhalten zu Vorgesetzten war einwandfrei
… die Arbeitsergebnisse entsprachen den Anforderungen

5 / Mangelhaft:
… hat sich im Rahmen seiner Möglichkeiten bemüht
… entsprach im Allgemeinen den Anforderungen
… das persönliche Verhalten war insgesamt einwandfrei

6 / Ungenügend:
… war um zuverlässige Arbeitsweise bemüht
… war stets bemüht den üblichen Arbeitsaufwand zu bewältigen
… Arbeitsqualität entsprach meistens den Anforderungen

 

Einfach oder qualifiziert?

Es gibt zwei Varianten von Arbeitszeugnissen, die du anfordern kannst. Das einfache und das qualifizierte Arbeitszeugnis. Das „einfache Arbeitszeugnis“ enthält nur den Nachweis und eine Bewertung über deine Leistungen während der vorangegangen Tätigkeit. Mit dem „qualifizierten Zeugnis“ beurteilt der Arbeitgeber auch deine sozialen Kompetenzen. In den Arbeitszeugnissen geht es also nicht nur darum, dass dein Chef erfahren kann, wie gut du in Mathe bist, sondern eben auch, ob du ein Teamplayer bist. Soziale Fähigkeiten oder Motivation sind mindestens so entscheidend für den Arbeitgeber wie deine anderen Fach-Kenntnisse. Das alles kann sich hinter den Beschreibungen zu deinen Fähigkeiten und Leistungen im Arbeitszeugnis verbergen.

Wenn dein Arbeitszeugnis gut ist, kann es ein Karriereturbo sein. Wenn es schlecht ist, bedeutet das unter Umständen unangenehme Fragen von deinem neuen Arbeitgeber. Häufig der Fall: du kriegst aufgrund der miesen Bewertung null Chance auf ein Bewerbungsgespräch.

Lass dich also von einem unpassenden Arbeitszeugnis nicht unnötig ausbremsen. Mach dich schlau und check erstmal, wie dich dein Zeugnis tatsächlich bewertet. Und wehre dich, wenn Dein Arbeitszeugnis unpassende Beurteilungen enthält. Du kannst nämlich dein Arbeitszeugnis nachträglich vom ehemaligen Arbeitgeber berichtigen lassen, falls Beschreibungen im Zeugnis unzutreffend sind oder eine „fehlerhafte Zeugnissprache“ verwendet wurde.

Mit ein bisschen Wissen und Google-Suche kannst du die Geheimsprache in deinem Arbeitszeugnis aber leicht entschlüsseln. Aber Achtung: wie jede Sprache verändert sich auch die Ausdrucksweise bzw. Bewertungsskala in Arbeitszeugnissen. Eine Formulierung die früher noch die Note „Sehr gut“ bedeutete, kann aktuell schon die normale Note „Gut“ ausdrücken.

 

Einige Arbeitgeber kennen die „Geheimsprache“ selbst nicht genau

Manchmal kann dein Arbeitszeugnis merkwürdige Verklausulierungen enthalten, mit denen du nicht gerechnet hast oder mit denen du nicht einverstanden bist.  Solche Unstimmigkeiten kannst du ändern lassen. Oftmals kennen sich nämlich selbst größere Betriebe nicht immer genau mit der Erstellung eines Arbeitszeugnisses und den passenden Formulierungen aus.

Einige Chefs schludern schon mal, zögern die Ausgabe deines Zeugnisses heraus oder benutzen eben Formulierungen, die deine tatsächliche Leistung fehlerhaft darstellen. Das geschieht aber oftmals nicht aus Böswilligkeit, sondern einfach, weil dein ehemaliger Arbeitgeber oder seine Personalabteilung vielleicht auch nicht immer auf dem aktuellen Stand sind. Darüber hinaus kann sich „die Geheimsprache Arbeitszeugnis“ im Laufe der Zeit ändern.

Und bevor du deinen Ex-Chef verfluchst:

Frage doch erstmal höflich nach und sprich mit ihm die Punkte oder Beschreibungen an, die du gern geändert haben möchtest. Das ist in der Regel einfacher als gedacht und auch empfehlenswert, da du das Zeugnis ja in zukünftigen Bewerbungen positiv verwenden kannst.

 

Mehr zu den Formulierungen und Arbeitszeugnissen findest Du hier:

Hast du weitere Fragen? Wir freuen uns über deinen Beitrag in den Kommentaren

Gute Laune,

Euer Steve

Bildquelle: pixabay.com

Steve Reisgies

Steve Reisgies

Schon seit früher Jugend stellt Steve Informationen, Statements und Meinungen in Schrift und Bild zusammen. Geboren 1974 an der ostfriesischen Küste liebt er den Weitblick über den üblichen Tellerrand hinaus und freut sich, wenn seine Publikationen informieren, inspirieren, gern auch zum Schmunzeln bringen. Steve ist happy, wenn Inhalte wirklich bewegen oder die Mitwirkenden der Story ins passende Spotlight gesetzt werden. Ganz besonders liegt ihm daran, junge oder junggebliebene Leute mit "nachwachsenden Infos" zu unterhalten und für die Zukunft zu motivieren!

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